Der beliebte mobile Bilderdienst Instagram wurde von Facebook gekauft. Diese Nachricht schoss am Ostermontag durch alle Medien. Am heutigen Dienstag gab es sogar einen Bericht in der 20:15 Tagesschau der ARD.
Rund 1 Mrd. US$ soll Facebook für die Instagram-Übernahme bezahlt haben.
Hat sich Instagram mit diesem Deal verkauft? Haben sie ihre User verkauft?
Rechnerisch hat Instagram 33 $ für jeden seiner User erhalten. Da der Dienst bisher kostenlos angeboten wurde ist es sicher erstmal nicht verwerflich den Dienst zu veräußern. Stellt sich nur die Frage was anschliessend kommt.
Mark Zuckerberg hat angekündigt das Instagram selbstständig bleiben soll und es für Benutzer keine Zwangsmitgliedschaft bei Facebook gibt.
Kritik gibt es im Netz genügend. Es werden Schwarzbilder hochgeladen und es gibt Tweets mit dem Tenor ob Zuckerberg nicht wusste das Instagram kostenlos im AppStore runter zu laden ist. Reihenweise werden Instagram-Accounts gelöscht.
Auch ich habe sofort meinen Account gelöscht. Genutzt habe ich ihn nur noch selten. Mittlerweile gibt es genügend Alternativen um Bilder mit Filtern zu bearbeiten und ins Netz zu laden.
Mein Hauptgrund hat aber mit Facebook zu tun. Nach 2 Versuchen nutze ich Facebook seit rund einem Jahr nicht mehr. Der Account ist gelöscht. Ich persönlich sehe eine unglückliche Verbindung zwischen Instagram und Facebook. Da mag Zuckerberg versprechen was er will. Man muss nicht paranoid sein um sich zu überlegen was Facebook mit den Bildern und den zugehörigen Kommentaren anstellen könnte. Ich verweise nur auf die Diskussion um die umstrittene automatische Gesichtskennzeichnung von Bildern bei Facebook.
Ich persönlich möchte mit dem Zuckerberg-Imperium nichts zu tun haben. Der Umgang mit Datenschutz und Nutzerrechten ist bei Facebook immer ein schwieriges Thema. Nur unter rechtlichen und politischen Druck ist das Unternehmen bisher bereit gewesen sich rechtlichen Gegebenheiten zu nähern.
Für mich ist es daher nur konsequent und logisch die Nutzung von Instagram zu beenden. Ich werde dies auch zukünftig so machen. Zuckerberg hat ja schon weitere Aufkäufe angekündigt.
Ob sich Instagram im wahrsten Sinne des Wortes verkauft hat kann ich nicht beurteilen, das wird die Zukunft zeigen. Den Kaufpreis von 1 Mrd. $ halte ich persönlich für unverhältnismäßig. Ich kann allerdings nicht das besondere an der Instagram-Technologie beurteilen.
Seit Jahrzehnten sind Menschen im Internet in Netzwerken unterwegs. Schon bevor es das heutige Internet gab, als man sich noch per Akustikkoppler oder Modem in ein Datennetz eingewählt hat.
Dort unterhielt man sich dann in Bulletin Board Systems, später im UseNet.
Der Begriff “Soziale Netzwerke” prägte sich erst später als sich im Rahmen von Web 2.0 Systeme wie Facebook, MySpace, WKW, Twitter usw. etablierten.
Der Einstieg geht schnell, die Bedienung ist einfach. Vorhandene Kontakte können schnell gefunden und verknüpft werden. Diese Vorteile der Sozialen Netzwerke sind auch gleichzeitig ein grosser Nachteil. Schnell ist man mit Leuten verbunden mit denen man eigentlich nicht befreundet sein möchte.
“Befreundet” – die Sozialen Netzwerke haben den Begriff der Freundschaft neu definiert. Sobald man mit jemanden virtuell verknüpft ist, ist man mit ihm befreundet. Das mag für den angloamerikanischen Sprachraum korrekt sein. Im deutschsprachigen Raum ist Freundschaft aber viel persönlicher besetzt. Und hier können viele keine Grenze ziehen. Auf einmal ist man mit der halben Kollegenschar befreundet. Man hat den Abteilungsleiter in der Freundesliste, vielleicht sogar den Chef. Wenn dann noch Fotos vom letzten Betriebsfest veröffentlicht werden – ein Klick genügt – ist das Chaos perfekt.
Der Fall des zu unrecht als Kindervergewaltiger und -mörder verdächtigten 17-jährigen aus Emden zeigt eine weitere dunkle Seite im Umgang mit den Sozialen Netzwerken. Innerhalb von wenigen Stunden bildete sich ein virtueller und realer Mob der zur Lynchjustiz aufrief. Natürlich ist das nicht die Schuld der Netzwerke selber, zeigt aber wie undifferenziert viele Menschen die Möglichkeiten der Netzwerke nutzen. Da werden die bekannten Stammtischphrasen mal eben in die Welt geschleudert ohne sich über die Auswirkungen Gedanken zu machen. Was die Phrasen grundsätzlich nicht entschuldigen soll! Aber aus vielleicht nicht ganz so ernst gemeinten Sprüchen wird dann auf einmal ein Selbstläufer der unschuldigen Menschen an den Rand der Existenz bringt.
Weitere Schlagzeilen machten 2011 vor allem spontan geplante Massenevents. Veranstaltungen privater Natur die über Facebook geplant aber nicht als privat deklariert wurden. Wilde Horden stürmten in Wohngebiete und verwüsteten Wohnungen weil sie natürlich nicht zu der privaten Party eingeladen waren.
Natürlich liegt es an jedem selbst welche Netzwerke und wie er sie nutzt. Es ist unterschiedlich leicht oder schwer sich über die Einstellungen von Leuten abzugrenzen.
Ich kann persönlich nichts mit Facebook anfangen. Zu sehr ist man doch mit allen Leuten befreundet, muss aufpassen welche Texte von wem gelesen werden können. In dem Fall bevorzuge ich das Kreise-Konzept von Google+. Hier ist es relativ einfach seine Kontakte zu organisieren und anschließend zu filtern wer was zu sehen bekommt. Twitter ist ein ganz anderes Medium. Im SMS-Stil, auf 140 Zeichen reduzierte Texte, oft mit Inhalt weit weg von rationalen Denken. Häufig sind es Sätze mit philosophischen Ansätzen, kleine Kunstwerke.
Die Leute in meinem Twitter-Netzwerk (Follower) habe ich alle über Twitter kennengelernt. Im beruflichen Umfeld benutzen sehr viele Menschen Facebook. Ein Grund warum ich nach kurzer Zeit dort wieder ausgestiegen bin. Meine Aktivitäten in Google+ halten sich in Grenzen. So ganz hat sich mir der Nutzen dieser Form der Netzwerke noch nicht erschlossen.
Die Sozialen Netzwerke sind weder Fluch noch Segen. Sie sind einfach eine logische Weiterentwicklung der menschlichen Kommunikationsformen. Die von den Betreibern vorgegebenen Rahmenbedingungen sind oftmals fragwürdig. Für die Inhalte die veröffentlicht werden ist aber jeder selbst verantwortlich.